Handelsblatt: Was gegen Burnout wirklich hilft. Echt jetzt!

Endlich wissen wir ganz genau, was wir tun müssen, um Burnout zu vermeiden! Klaus Hansen erklärt es uns im Fachmagazin für derlei Fragen. Richtig: Dem Handelsblatt: So schützen sich Manager vor einem Burn-out.

Ohne spoilern zu wollen, seien hier schon mal die wirksamen Mittel genannt: Achtsamkeit, Entspannung und Delegieren von Aufgaben. Echt jetzt?! Hätten wir das doch nur vorher schon gewusst! Dann hätten wir uns die teuren und langwierigen Klinikaufenthalten und Therapien gespart. Ach so, das gilt ja nur für Manager. Drängen sich also zwei Fragen auf: 1. Was tun Nicht-Manager? Und 2.: Kann man Sich-Entspannen und Achtsamkeit eigentlich auch delegieren? Wäre doch effizienter. 🙂

 

Krankheitsbedingte Kündigung wegen Burnout möglich?

Wie ist das eigentlich: Kann man wegen Burnout gekündigt werden? Hierüber gibt der Text „Krankheitsbedingte Kündigung wegen Burnout möglich?“ auf der Seite „Anwalt.de“ Auskunft. Bitte fasst diesen Verweise nicht als Werbung auf, sondern als Service alle, die sich diese Frage schon einmal gestellt haben und für die sie vielleicht sogar akut ist. Soll ja – sehr leider – vorkommen, dass Arbeitgeber nicht so agieren und reagieren, wie man sich das als Betroffener wünscht.

Deshalb könnte vielleicht auch noch der Hinweis auf die Münchner Mobbing Beratung hilfreich sein: www.mobbing-consulting.de

Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten

„Wenn Ihnen diese Art von Entmutigung, müssen Sie vor allem langsamer treten; langsamer treten müssen Sie sowieso, ob sie wollen oder nicht, der Unterschied liegt darin, daß Sie bewußt langsamer treten, noch einmal durchgehen, was Sie schon für erledigt hielten, um festzustellen, ob die Dinge, die Sie für wichtig hielten, wirklich so wichtig waren, und … na ja … einfach die Maschine anstarren. Dagegen ist nichts zu sagen. Einfach eine Zeitlang mit der Maschine leben, sie betrachten, wie man eine Angelschnur betrachtet, und Sie können sich darauf verlassen, über kurz oder lang werden Sie so sicher wie das Amen in der Kirche ein leichtes Rucken spüren, eine kleine bescheidene Tatsache, die schüchtern anfragt, ob Sie an ihr interessiert sind. Das ist das Prinzip, das dafür sorgt, daß die Welt nicht stehenbleibt. Man muß sich für sie interessieren.“

Robert, M. Pirsig: Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten. Frankfurt, 2017

 

Hach ja… #78

„Die individuelle Bewältigung von Stress, wie sie sich in den vergangenen Jahrzehnten herausgebildet hat, ist aus gesundheitspolitischer Perspektive jedoch problematisch, da die Ratschläge zur Selbstoptimierung den Wettbewerb zwischen den Individuen mittelfristig zusätzlich verschärfen. Die Fixierung auf den Einzelnen, wie sie im Rahmen aktueller Stressmanagement-Ansätze insbesondere von der Psychologie propagiert wird, fürht zu einer Entvergesellschaftung gesellschaftlicher Problemlagen. Mehr oder weniger stillschweigend wird dabei von der Prämisse ausgegangen, dass der Einzelne in der Lage ist, mit ständig wachsenden Herausforderungen umzugehen. Auf diese Weise wird die Frage nach gesellschaftspolitischen Lösungen für die im zuge von Deregulierung, Selbstoptimierung und Beschleunigung gewachsenen Belastungen ausgeblendet.“

Patrick Kury: Von der Neurasthenie zum Burnout – eine kurze Geschichte von Belastung und Anpassung. In: Neckel, Sighard; Wagner, Greta: Leistung und Erschöpfung. Burnout in der Wettbewerbsgesellschaft. Frankfurt am Main, 2013.

Spektrum.de: Warum Burnout keine Krankheit ist

Tja, da hatten sich einige Journalisten offensichtlich schon gefreut, dass die WHO Burnout als Krankheit anerkennen würde, weshalb sie es als Nachricht in die Welt trugen. Wie bereits neulich schon erwähnt: Da war vermutlich der Wunsch Vater des Gedankens, wie uns auch Spektrum.de aufklärt: Warum Burnout keine Krankheit ist. Burnout ist von der WHO lediglich als „Faktor, der die Gesundheit beeinträchtigen kann“ neu definiert. Immerhin: Betroffene werden das aus ihrer Erfahrung voll und ganz bestätigen können.

Gesundheit! (Oder doch Krankheit?)

In unseren Gesprächen diskutieren wir gelegentlich, ob Burnout nun eine gute oder schlechte Sache sei? Hilft uns Betroffenen, dass wir uns mit dieser Krankheit identifizieren können? Oder ist es doch eher hinderlich? Ist es nun ein krankes Muster oder hilft die Burnout-Krise nicht letztendlich dabei, ein gesundes und zufriedenes Leben anzustreben?

In diesem Zusammenhang war die Meldung interessant, dass die WHO ihren Diagnosekatalog ICD („International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems“) neu ordnet, um die neue Fassung dann im kommenden Jahr zu veröffentlichen. Burnout wird dann – so war zu hören, sehen und lesen – dann anders als bisher als Krankheit behandelt werden. Eine überraschende Meldung, schließlich geht es bei solcherlei Entscheidungen eigentlich immer um die Frage, welche gesundheitspolitische Auswirkungen man bezwecken möchte. Mit anderen Worten, es geht um wirtschaftliche Interessen oder nochmal anders ausgedrückt: Es geht – wie so oft – darum, wohin das Geld im Gesundheitssystem umgeleitet wird, sprich: Wer bekommt die meiste Kohle.)

Was uns antreibt…

Der Wille zur Steigerung wird dabei weder individuell noch kollektiv durch das Versprechen eines Fortschritts an Lebensqualität erzeugt, sondern durch die Drohung des (schrankenlosen) Verlusts des bereits Erreichten. Wer deshalb behauptet, die moderne werde vom Verlagnen nach dem Höher, Schneller, Weiter getrieben, verkennt ihre strukturelle Realität: Es ist nicht die Gier nach mehr, sondern die Angst vor dem Immer-weniger, die das Steigerungsspiel aufrechterhält. Es ist nie genug, nicht, weil wir unersättlich sind, sondern weil wir immer und überall wie auf Rolltreppen nach unten stehen: Wann und wo immer wir anhalten oder innehalten, verlieren wir an Grund gegenüber einer hochdynamischen Welt, mit der wir überall [S. 16] in Konkurrenz stehen. Es gibt keine Nischen oder Plateaus mehr, die es uns erlaubten, innezuhalten oder gar zu sagen: „Es ist genug.“ Dies zeigt sich empirisch etwa in dem Faktum, dass die Mehrzahl der Eltern in den sogenannten entwickelten Gesellschaften nach ihrer eigenen Auskunft nicht mehr von der Hoffnung motiviert wird, dass es die kinder einmal besser haben mögen als sie selbst, sondern von dem Verlangen, alles zu tun, was sie irgend können, damit es ihnen nicht schlechter geht.

Rosa, Hartmut: Unverfügbarkeit. Wien, 2018.

 

 

Hach ja… #77

Ein Großteil des modernen Lebens besteht in vermeidbarer Schädigung durch chronischen Stress.“

Taleb, Nassim Nicholas: Antifragilität. Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen. München, 2014.

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